Themenschwerpunkt: Flucht und Migration

Die Situation und Zukunft der Flüchtlinge in Deutschland und weltweit ist eines der zentralen Themen dieser Tage. Zahlreiche Vertreter aus den Bereichen Kultur, Politik und Wissenschaft haben sich dem Thema Flucht, Migration und Integration der Flüchtlinge gewidmet. Eine Auswahl aus den besten Diskussionen zu diesem Thema auf Voice Republic stellen wir Ihnen hier vor.

Migration und Fiktion – drei Autorinnen erzählen

Die Ursachen und Folgen von Migration sind so unterschiedlich wie die Menschen, die neu in Deutschland ankommen. Drei Autorinnen schildern mal humorvoll, mal verzweifelt die Erfahrungen zwischen Berliner Hipster-Invasion und Deutsch-Sprachkurs, ihre Reise nach Europa und das Fremdsein im eigenen Land. Rasha Abbas (mikrotext), Michaela Maria Müller (Frohmann) und Safeta Obhodjas (Culturbooks) lesen aus ihren Texten und diskutieren mit Tania Folaji über die Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Flucht und Migration.

An den Grenzen des Darstellbaren: Flucht auf der Theaterbühne

Um den künstlerischen Umgang mit dem Thema Flüchtlinge in Deutschland bzw. Migration im Allgemeinen ging es auch beim Impulse Theaterfestival 2016. Einige Beiträge auf dem Festival beschäftigten sich mit den tödlichen Grenzen Europas. Aber kann und soll Kunst so drastische Wirklichkeit überhaupt darstellen? Alexander Karschnia, Oliver Ressler und Daniel Wetzel sprechen mit dem Soziologen Vassilis Tsianos über den Widerstreit zwischen Politik und Ästhetik und die Frage nach der Verantwortung des Künstlers.

 

 

Jugend, Mut und Macht mit Clemantine Wamariya

Clemantine Wamariya war 6 Jahre alt, als der Völkermord in Ruanda ausbrach. Mit ihrer älteren Schwester zusammen gelang ihr die Flucht. Die nächsten sechs Jahre verbrachten die beiden in Flüchtlingslagern in sieben verschiedenen Ländern im östlichen und südlichen Afrika – getrennt von den Eltern und Verwandten.

Clemantine weiß, was es heißt, auf der Flucht zu sein, irgendwo anzukommen, wo einen eigentlich keiner haben will, aber auch, wie es ist eine neue Chance zu bekommen. Diese Perspektive auf das Thema Flüchtlinge, das in Deutschland gerade so akut ist, teilt sie auf der Teenage-Internet-Convention TINCON mit deutschen Jugendlichen. Selbst Flüchtling und Überlebende eines Völkermordes, will Clemantine Wamariya zeigen, wie wichtig Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sind und wie auch Technologie helfen kann, Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden.

Stacheldrahtzäune oder Datenüberwachung – was schützt besser gegen Flüchtlinge?

Der Bau neuer Drahtzäune in Südosteuropa gehört zu den dramatischsten Szenen der sogenannten Migrationskrise. Doch nicht nur Migranten, die Schutz suchen, sondern auch regelmäßige Reisende, die ein Visum für die EU benötigen, werden meist eher durch Datenbanken als durch physische Hindernisse aufgehalten.

Die EURODAC-Datenbank sammelt die Fingerabdrücke von Asylbewerbern und „irregulären Migranten“. Dadurch ist sie entscheidend für die politische Konfrontation zwischen nord- und südeuropäischen Staaten, da letztere angeblich nicht die erforderlichen Informationen eingeben. Daher ist es wichtig, die genauen Vorgänge dieser technischen Systeme und deren Auswirkungen auf die Menschenrechte, z.B. das Recht auf Datenschutz, zu verstehen. Rapahel Bossong und Joanna Bronowicka sprachen auf der re:publica 2016 über diese Datenbanken als Grundlage eines größeren Trends namens „smart borders“: der elektronischen Überwachung aller unserer Reisebewegungen.

Refugees@ARD – Projekte und Erfahrungen

In den verschiedenen Häusern des ARD-Verbundes sind in 2015 und 1016 bisher einige besondere Webangebote für Flüchtlinge in Deutschland entstanden. Zum Beispiel Audio-Beiträge von Flüchtenden (BR), Nachrichten für Menschen auf der Flucht als Webvideo und Facebook-Channel (SWR), Online-Sprachkurse (DW), digitale Bildertafeln als Erste Hilfe in der Kommunikation (ARD.de) und interaktive News- / Kinder- und Service-Sprachenangebote für die Neuankömmlinge (WDR). Um die Ideen, die dahinter stecken, die Erfahrungen der Beteiligten und die Rückmeldungen derer, für die die Angebote gedacht sind, geht es in dieser Session der re:publica 2016.

Vorgestellt werden unter anderem folgende Projekte:

Guide for refugees (ARD.de)
Messages of refugees – Flüchtlingsbotschaften (Bayern2/Zündfunk)
Erste Schritte in Deutschland
Learn German – German courses (Deutsche Welle)
SWR News for refugees als Facebook-Channel und im Web
News for refugees (bei SWR International)
WDR for you im Web und bei Facebook
Refugee Radio von Funkhaus Europa (WDR)
Crowdsourcing: Karte der Flüchtlingshilfsprojekte (tagesschau.de)
Die App „Ankommen – Ein Wegbegleiter für Ihre ersten Wochen in Deutschland“

Smartphones, Lebensretter auf der Flucht

Der Online-Journalist Noor Nazrabi gab auf der re:publica 2016 neue Einblicke in ein vieldiskutiertes Thema: die Relevanz und Nutzung von Smartphones auf den Fluchtwegen nach und in Deutschland. Mobile Medien wie Smartphones und Tablets sind für Menschen auf der Flucht oft überlebenswichtige Wertgegenstände. So nutzen Flüchtlingen Smartphones unter anderem als Navigationsgeräte um sich in unbekannten Gegenden zu orientieren, um politische Neuigkeiten in den Zielländern im Blick zu behalten oder auch um Wettervorhersagen abzurufen. Smartphones ermöglichen es den Flüchtlingen auch, sich über Kommunikationsplattformen mit FluchthelferInnen und ihren Familie auszutauschen.

Eine Studie zur Nutzung der mobilen Endgeräte mit  dem Fokus auf Kommunikations- und Informationsnutzungverhalten der Flüchtlinge auf der Fluchtroute und in Deutschland liefert erstmalig Ergebnisse über die Nutzungs-, Rezipientens-, Kommunikationsverhalten der Schutzsuchenden. Wie kann man die Erkenntnisse nutzen, um Flüchtende zu unterstützen?

Weitere Talks

Flüchtlinge in Deutschland und digitale Selbstorganisation

Zugang zu Information ist in Flüchtlingsunterkünften schwierig, Zugang zum Internet für die meisten Flüchtlinge in Deutschland fast unmöglich. Was diese Isolation für viele Flüchtlinge bedeutet und wie man dagegen angehen kann, darum ging es in der Konferenz CIVIL SOCIETY 4.0 – REFUGEES AND DIGITAL SELF ORGANIZATION im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Dabei wurde nicht nur diskutiert, sondern gleich Lösungswege ausprobiert: Programmier-Workshops und Hackathons zusammen mit Flüchtlingen sind nur der Anfang.

Welches Land wollen wir sein?

Die Frage, welches Land wir sein wollen, ist zu wichtig, um in parteipolitischem Kalkül zerrieben zu werden. Wir selbst müssen die Debatte führen: Wollen wir eine offene Gesellschaft sein, geleitet von Freiheits- und Menschenrechtsidealen, oder eine exklusive Gesellschaft, die ihre Identität vor gefühlten äußeren Bedrohungen sichert? Und wenn wir eine offene Gesellschaft sein wollen: Was sind wir bereit, dafür zu tun? Eine deutschlandweite Diskussionsrunde der Offenen Gesellschaft, die sich mit dem Thema Flüchtlinge in Deutschland beschäftigt.

Europäischer Salon

Seit dem Jahr 2008 stellen schwere Krisen den europäischen Staaten- und Verfassungsverbund auf die Probe. Solidarität ist in diesem Kontext wieder zu einem der Schlüsselbegriffe des politischen und rechtlichen Diskurses in den Mitgliedstaaten geworden. Die Debatte des Fünften Europäischen Salons beleuchtetet aus diesem Grund die gegenwärtigen Möglichkeiten und Grenzen des europäischen Solidaritätsprinzips näher. Auf dem Podium diskutierten MdEP Elmar Brok, MdB Manuel Sarrazin, Victoria Kupsch.

Weitere Talks

Herbstsalon des Maxim Gorki Theaters in Berlin

Im Schatten der neuen Willkommenskultur, die international bewundert wird, hat der Bundestag weitere Asylrechtsverschärfungen beschlossen. In einer Diskussion setzte man sich damit auseinandersetzen, wie sich das Asylrecht seit der Abschreckungspolitik der 1990er Jahre entwickelt hat und wie AktivistInnen und JuristInnen damals und heute mit den Geflüchteten für ihre Rechte kämpfen. Für diese Reflexion wurden geladen: Berenice Böhlo (Republikanischer Anwaltsverein), Naika Foroutan (Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung), Jürgen Quandt (Asyl in der Kirche) und Samee Ullah (My Right is Your Right).

Weitere Talks

Dr. Kien Nghi Ha zu Postmigration und dekoloniale Kritik

Kien Nghi Ha ist Buchautor und Politologe aus Berlin mit dem Schwerpunkten Einwanderungsdiskurs, Kulturpolitik und Rassismus. Er nähert sich auf geschichtswissenschaftliche Art dem Thema Flüchtlinge in Deutschland.

Vortragsreihe des Schauspiel Köln „Refugees welcome!“

Der Journalist Sammy Khamis berichtet über die Aspekte der „Smarten Flucht“ und verdeutlicht, wie Smartphones zum Fluchthelfer werden können.

Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrat e.V., gibt einen Einblick in die Situation von Flüchtlingen in Köln.

Martina Domke, Fachbereichsleiterin Migration der Diakonie Köln, geht konkret auf die Situation von Flüchtlingen in Köln ein.

Weitere Talks

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Bild: walterw.a on flickr

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