In der Gaming-Welt tut sich was: Spiele und Gesellschaftskritik

Die Gaming-Branche ist längst zu einem Milliarden-Geschäft geworden. Video- und Computerspiele verlieren zunehmend ihr Stigma und werden gesellschaftsfähig. Elemente wie Storytelling werden immer wichtiger und die Ansprüche steigen nicht nur im Hinblick auf die Grafik, sondern auch im Hinblick auf den Inhalt. Eine Entwicklung, die ganz erfreulich ist. Denn langsam werden Spiele auch als Medium entdeckt, in dem sich künstlerische und sozialkritische Inhalte unterbringen lassen.

Gesellschaftskritische Spiele sind im Kommen

Ein Paradebeispiel für ein Spiel von gesellschaftlicher Relevanz: This War of Mine. Darin geht es um das Leben der Zivilisten in einem vom Krieg zersetzten Staat. Design Developer Michal Drozdowski sagt: „I think it’s important to look at games as an experience – not as genre, not as mechanics, but something the player can feel, that will engage their emotions.“ Das Spiel soll also nicht nur unterhalten, aber auch nicht als Lerninstrument dienen. Es soll die Spieler emotional an einer Situation teilhaben lassen, die sie im Alltag nicht kennen. Empathie und Reflektion sind willkommene Nebeneffekte.

Sehr viele Beispiele finden sich für solch ein Maß an Sozialkritik in Games leider nicht – vor allem nicht im Mainstream. Meist werden gesellschaftskritische Themen zwar angeschnitten, dienen aber nicht als leitende Prämisse, sondern eher als eines von vielen Plot-Elementen. Doch abseits des Mainstreams gedeihen ganz viele interessante Projekte, die das künstlerische und subversive Potenzial des Mediums zeigen.

Innovative Ideen beim Gaming Festival A MAZE

Beim Festival für unabhängige Gaming-Kultur A MAZE kommen eben diese Spieleentwickler und -designer zusammen, die sich trauen, etwas Neues zu machen. Für den Award des Festivals ist dieses Jahr beispielsweise die Spanierin Claudia Mate nominiert. Sie bezeichnet sich als „New Media Artist“ und hat im Programmieren ihre künstlerische Ausdrucksform gefunden. Ihre Kunst verbreitet sie meist über Instagram, stellt aber auch in Museen wie dem MoMa aus. Dass man spielen nicht nur am Bildschirm kann, zeigt das ebenfalls nominierte Projekt Invisible Playground. Es bedient sich aus Theater und Performance-Kunst, obskuren Sportarten, Brett- und Videospielen bedient und kriert daraus Spiele, die im öffentlichen Raum stattfinden. Ziel ist es, besonders urbane Flächen, die vordergründig keine Möglichkeit zum Spiel bieten, kreativ zu nutzen und damit zum Spielplatz zu machen. Stadtpolitik und damit zusammenhängende gesellschaftliche Fragen werden auf spielerische Weise zum Thema gemacht.

Kein Platz für Diskriminierung

Auch die Initiative NETZ-GEGEN-NAZIS.DE setzt sich mit dem Thema Gaming auseinander. Sie stellt klar, dass Spiele nicht nur Ursprung von Diskriminierung sein können, sondern auch Waffe dagegen. Zweifellos hat die Gaming-Szene noch immer Probleme mit Rassismus, Sexismus und Hate Speech im Allgemeinen. Doch gleichzeitig kann man in ihr eine Chance für zivilgesellschaftliche Arbeit sehen. Martin Fischer (Game Over Hate) hält es für besonders wichtig, die Online-Communities wie Spielechats, Foren und Kommentarspalten von Herabwertungen jeglicher Art frei und so für jeden zu einem angenehmen Ort zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist allerdings noch viel Arbeit und vor allem die Sensibilisierung der Spielehersteller und Plattformbetreiber selbst nötig.

 

Foto: Julian Fong on flickr

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