Make Love Not Hate Speech – Für mehr Liebe im Internet

Hate Speech, Cyber-Mobbing und Hass-Kommentare

Beleidigungen, Ausgrenzungen und Gewaltandrohungen gab es schon immer. Aber in Zeiten des Internets sind diese zu einem Massenphänomen geworden. Rassistische und sexistische Kommentare auf Webseiten, in Social Networks oder gar aus dem Munde von Politikern sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Hate Speech muss aber nicht immer eine politische Dimension haben. Manchmal spielt sich das Ganze auf persönlicher Ebene ab, wie beispielsweise beim Cyber-Mobbing und Body-Shaming, das von SchülerInnen bis zu Stars wie letzte Woche Lady Gaga jeden treffen kann.

Der Europarat hat die No Hate Speech-Bewegung ins Leben gerufen, um das Ausmaß des Problems in die Öffentlichkeit und die Gesetzbücher zu tragen. Bei einer Studie von No Hate Speech gaben 83% der Befragten an, schon einmal selbst von Hassrede betroffen gewesen zu sein. Gegen Hate Speech vorzugehen ist kein pedantisches Pochen auf „Political Correctness“, sondern die Pflicht eines jeden. Denn das Recht darauf, nicht diskriminiert zu werden, muss auch online gelten.

Auch auf Voice Republic gab es schon viele Diskussionen zu dem Thema. Hier eine kleine Auswahl der relevantesten Talks.

 

Organisierte Liebe statt organisierter Hass

Kübra Gümüsay

Als Journalistin und Bloggerin, Feministin, Anti-Rassismus-Aktivistin und Muslima mit türkischen Wurzeln gehört Kübra Gümüşay zu so ziemlich allen Gruppen, die oft mit Hate Speech konfrontiert sind. Schon seit Jahren erleben sie und ihre Kolleginnen, welche Formen der Hass annehmen kann. Immer wieder fordert dieser Hass im Netz auch Opfer: AktivistInnen und PublizistInnen, die sich zurückziehen und psychische Spuren tragen.

Kübra Gümüşay schlägt eine Strategie gegen den organisierten Hass vor: organisierte Liebe. Wie das funktionieren soll, hört ihr in ihrem Talk von der re:publica 2016. Kübras Blog ein fremdwörterbuch ist übrigens auch sehr zu empfehlen.

 

Sind die Kommentare noch zu retten?

Wenn man sich mal so richtig schön ärgern möchte, muss man eigentlich nur einen beliebigen News-Artikel im Internet zu einem Thema wie zum Beispiel Flüchtlinge, Religion, Sexismus, Sozialleistungen oder Putin anklicken und die Kommentare durchlesen.

Oft werden auch die Autoren der Artikel persönlich angegriffen und inzwischen gibt es bei Newsportalen ganze Abteilungen, die sich um Hasskommentare kümmern, löschen, verwarnen und moderieren. Die Alternative zu diesem großen Aufwand ist das Schliessen von Kommentarbereichen. Aber ist das die richtige Lösung? Wie kann man eine sachliche Debatte ermöglichen? Was gibt es bisher für Ansätze und wie sehen die Ergebnisse aus? Diese Fragen beantwortet Felicitas Blanck beim Open Tech Summit 2016.

 

Hate Speech gegen religiöse Gruppen

Oft wendet sich Hass im Internet gegen religiöse Gruppen. Momentan sind die Betroffenen, befeuert in Deutschland von Pegida und AfD, in den USA vom Präsidenten selbst, meist Muslime. Aber es kann jederzeit auch andere treffen.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, war zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und warnte vor der Ausbreitung des Islam-Hasses auf andere Religionen. Dr. Josef Schuster ist besorgt über die Intoleranz, den Hass und den Extremismus in Deutschland. Sein Appell: „Wir müssen jetzt agieren. Es ist höchste, allerhöchste Zeit.“

 

Ist Lügen rechtswidrig?

Die Rechtslage in Sachen Hate Speech  steckt noch in den Kinderschuhen. Generell sind Volksverhetzung, Beleidigung, Verleumdung und üble Nachrede strafbar. Inwieweit das aber auch online durchgesetzt werden kann und soll, ist umstritten.

Auch Fake News sind ein Mittel, um Hass und Angst zu schüren. Dazu ein ganz gefährliches – denn sie sind nicht offensichtliche Hassrede, sondern verkleiden sich als objektiver, gut recherchierter Journalismus. In der neuesten Folge unseres Lieblings-Jura-Podcasts Rechtsbelehrung geht es um die Frage, wann Lügen sowie Meinungsmanipulationen strafbar sind. Gerade auf politischer Ebene ist die Rechtslage hier unübersichtlich und die Gefahr, Zensurstrukturen aufzubauen, allgegenwärtig.

 

Titelbild: Dennis Skley via flickr

Bild Kübra Gümüşay: blog.europaundwir.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.