Whistleblowing und digitaler Widerstand

Unser digitales Verhalten wird ständig überwacht. Für Marketingzwecke, für die Verhütung von Straftaten, aber in vielen Fällen auch als Mittel um Macht zu erlangen. Das Recht der Bürger auf Privatsphäre wird durch ihre eigene Regierung verletzt. Aus Angestellten der betroffenen Organisationen, die sich die Rechtsbrüche und moralisch fragwürdigen Praktiken nicht länger mit ansehen wollen, werden Whistleblower. Edward Snowden ist nur das bekannteste Beispiel eines Phänomens, das immer wichtiger und immer umstrittener wird. Die Whistleblower selbst riskieren alles und auch Plattformen wie WikiLeaks befinden sich ständig in einer rechtlichen Grauzone. Ist Whistleblowing akzeptabel oder gar notwendig für eine Demokratie? Wie soll mit Whistleblowern und mit ihren Informationen umgegangen werden? Welche Formen des digitalen Widerstandes gibt es darüber hinaus?

 

Ist Whistleblowing Landesverrat?

In ihrem Jura-Podcast Rechtsbelehrung nehmen sich Radiojournalist Marcus Richter und Rechtsanwalt Thomas Schwenke jeden Monat eine aktuelle Rechtsfrage aus der Netzwelt vor. Unterhaltsam und mit viel Fachwissen erklären sie in dieser Folge, wie es rechtlich um Whistleblower und um Journalisten und Blogger, die mit ihnen zusammenarbeiten, bestellt ist. Landesverräter oder Helden? Das sieht das Gesetz manchmal ganz anders als man selbst.

 

Interview mit WikiLeaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison

Beim Festival für digitale Jugendkultur wurden nicht nur typische Teenie-Themen angeschnitten. Um Bürger-und Menschenrechte im Web ging es im Interview mit der Investigativ-Journalistin Sarah Harrison, die 2013 dabei geholfen hatte, den Whistleblower Edward Snowden vor den US-Behörden in Sicherheit zu bringen. Ihre Interviewpartnerin, Geraldine de Bastion, ist Politologin und internationale Politikberaterin. Sie berät Unternehmen, öffentliche Institutionen und NGOs zum Einsatz neuer Medien und digitaler Technologien für politische Kommunikation. Aktivismus, Internet- und Medienfreiheit sind ihre Spezialthemen.

 

Let’s talk about Whistleblowing!

Whistleblowing und die Publikation von Staatsgeheimnissen ermöglichen es Bürgern hinter die Kulissen der eigenen Regierung zu blicken. Geheime und moralisch nicht immer einwandfreie Vorgehensweisen werden aufgedeckt – was die Involvierten jedoch in große Gefahr bringt. Wie man mit Whistleblowern umgehen soll, ist ein schwieriges Thema und wurde auf der transmediale 2016 heiß diskutiert. Hacker und Internetaktivist Jacob Appelbaum, Markus Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org und andere Experten debattierten mit dem Publikum über das Phänomen Whistleblowing und den Zustand unserer Demokratie.

 

Edward Snowden beim Logan CIJ Smposium

Jemand, der es ganz genau weiß, ist Edward Snowden selbst. Beim Logan CIJ Symposium in Berlin trafen sich Whistleblower, Hacker, investigative Journalisten und Netz-Aktivisten, um unter dem Motto „Challenge Power“ über Zensur, Geheimhaltung und Überwachung zu sprechen. Snowden war per Live-Call zugeschaltet und machte seinem Ärger Luft: Gesellschaften, in denen Whistleblower kriminalisiert werden, obwohl sie einen unentbehrlichen Dienst leisten, sind für ihn keine Demokratien und um die Pressefreiheit ist es auch schlecht bestellt. Snowden findet klare, eindringliche Worte, die das ganze Problem zusammenfassen.

 

Der digitale Überwachungsstaat – ist das noch Demokratie?

Die größte Demokratie der Welt arbeitet mit Überwachungsmethoden einer Diktatur. So zumindest der Vorwurf von Whistleblowern, die selbst Teil dieses Systems waren. Massenüberwachung, Datensammlung und eine Zusammenarbeit de BND mit der NSA… was sagt das aus über Demokratie, auch in Deutschland? Berühmte amerikanische Whistleblower wie Thomas Drake und Jesselyn Radack diskutieren genau diese Frage mit Konstantin von Notz, Martina Renner, Peter Schaar und dem Historiker Prof. Dr. Josef Foschepoth. Friedensaktivist Daniel Ellsberg und der ehemalige FBI Agent Coleen Rowley beginnen die Runde mit der Frage nach den neuesten Entwicklungen in Sachen Überwachung, Zensur und Versetzung von Zivilrechten.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Courage Foundation mit ExposeFacts.org,  ZEIT Online und der transmediale.

Alle Talks der Courage Foundation

 

SAMIZDATA: Strategien des Widerstands

Was bedeutet heute „Widerstand“ im Netz, mehr als zwei Jahre nach den ersten Enthüllungen Snowdens? In den vergangenen Jahren wurde der Öffentlichkeit durch Whistleblowing das Ausmaß der Überwachung durch staatliche Netzwerke und ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber Bürgerrechten bewusst. Jenseits von Angst und Paranoia, geht es in diesem Panel um die Auswirkungen des Falles Snowden und die Handlungsmöglichkeiten der Hacker, Aktivisten und Künstler im gegenwärtigen Kontext der geopolitischen Kräfte. Ganz abgesehen von Notwendigkeit, unsere Daten zu verschlüsseln, werden Alternativen und neue Perspektiven diskuitiert. Mit dabei sind Hacktivist JaromilJørgen Johansen, Femistin und Techno-Aktivistin Sophie Toupin und Valie Djordjevic.

 

Disruption Network Lab ist eine Plattform für Veranstaltungen und Forschung über Hacktivismus, Kunst und Störung. Die Reihe von Konferenzveranstaltungen im Kunstquartier Bethanien soll neue mögliche Wege des sozialen und politischen Handelns im Rahmen von digitaler Kultur finden, mit einem Schwerpunkt auf dem Störpotential von Kunst. Das Disruption Network Lab ist eine konzeptionelle Zone, in der Künstler, Hacker, Networker, kritische Denker und Unternehmer in einen Dialog treten. Das Programm beinhaltet Keynote-Veranstaltungen, künstlerische Darbietungen und theoretischen Debatten.

 

Alle Talks von Disruption Network Lab

Photo: greensefa on flickr

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