Sprachen: Das gesprochene Wort zählt

Wenn ich durch Berlin laufe höre ich viele Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und andere Idiome, die ich gar nicht zuzuordnen vermag. Der Mensch spricht in vielen Zungen, laut Wikipedia gibt es 7000 unterschiedliche Sprachen.

Was ich nicht wusste: Alle paar Wochen stirbt eine Sprache aus. Wissenschaftler prognostizieren: bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden 50% aller Sprachen verschwunden sein.

Das Sterben der Sprachvielfalt

Seit 1996 gibt die UNESCO daher den Atlas der bedrohten Sprachen heraus. Dieser listet aktuell 2431 gefährdete Sprachen, etwa 600 oder gut ein Viertel davon werden als “critically endangered”, als akut gefährdet, klassifiziert.

So wird die in Schweden verortete Sprache Ume Saami von weniger als 10 Menschen gesprochen.  Aurê-Aurá, eine Tupí-Sprache des brasilianischen Nordwestens, wird sogar nur noch von 2 Personen gesprochen. Der Verlust der Sprache hat seine Ursache häufig in der Zerstörung der Lebensräume und damit einhergehender Vertreibung indigener Bevölkerungen. Und mit der Sprache gehen auch die Kultur und das Wissen dieser Völker unwiederbringlich verloren.

Globalisierung und Internet sind vermutlich weitere Nägel im Sarg der Sprachvielfalt. Es ist zumindest für junge Menschen notwendig, mindestens eine der Weltsprachen zu erlernen, um sich informieren zu können und berufliche Perspektiven zu eröffnen. Der Fokus hat sich vom Regionalen zum Internationalen verschoben. Andererseits sind gerade regionale Sprachen und Dialekte der Schlüssel zur eigenen Kulturgeschichte. In meinem Fall ist es der Klang des Plattdütsch, der die Erinnerungen an meine Hamburger Kindheit zurückbringt. Es selber zu sprechen habe ich nie gelernt – bedauerlich, wie ich heute finde.

Die Digitalisierung verhilft Sprachen zum Leben

Die demokratische und kollaborative Qualität des Internet ist aber auch ein wichtiges Instrument bei der wissenschaftlichen Recherche und Archivierung von Informationen rund um Sprachen. So bietet der UNESCO Atlas der bedrohten Sprachen jedem Nutzer die Möglichkeit, Informationen direkt einzureichen.

Und auch Google betreibt seit 2011 ein eigenes Projekt zur Dokumentation von Sprachen. Auf EndangeredLanguages.com können Nutzer Informationen und Dateien zu 3229 Sprachen hochladen.

Sprachwissenschaftler bei Voice Republic

Bei Voice Republic finden Sie zu diesem Thema auch spannende Talks, zum Beispiel diese hier vom Arbeitskreis ADAWIS, der sich mit dem Thema „Die Sprache von Forschung und Lehre: Bindeglied zu Kultur und Gesellschaft?“ auseinandersetzt:

Bild: Quinn Dombrowski on flickr

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