Trump, Brexit – alles die Schuld von Big Data?

Big Data ist das Schlagwort des vergangenen Jahres. Manche prophezeien, dass Big Data für erhebliche technische Fortschritte sorgen und den Menschen in Zukunft das Leben erleichtern wird. Viele sehen aber auch die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen in Gefahr und in Big Data ein Mittel zur Massenüberwachung, das auch missbraucht werden kann. Im Grunde meint „Big Data“ nur große, komplexe Datenmengen und deren Sammlung und Verarbeitung. Software zu entwickeln, die solche riesigen Datensätze verarbeiten und interpretieren kann, ist eine große Herausforderung.

Anwendung finden die Massendaten vor allem beim Marketing, aber auch beispielsweise in der Medizin oder der Verwaltung. Erst kürzlich rückte ein weiteres Anwendungsgebiet in den Vordergrund: der Wahlkampf. Ein umstrittener Artikel bei Das Magazin machte die Big-Data-Nutzung der Agentur Cambridge Analytica für den Erfolg der Brexit-Kampagne und für Donald Trumps Wahlsieg verantwortlich. Auch wenn die Details hier noch nicht geklärt sind – klar ist, dass Big Data ein riesiges Potential bieten, das für mehr oder weniger gute Zwecke eingesetzt werden kann.

Zahlreiche Podcasts im Voice Republic Archiv zeigen, wie vielseitig und relevant das Thema Big Data ist.

 

Künstliche Intelligenz, Sex-Tech und Big Data

Es klingt nicht nach dem naheliegendsten Anwendungsgebiet von Big Data, aber es ist eine Branche, von der sich viele große Gewinne versprechen: Sex-Tech. Die Firma MysteryVibe baut Bluetooth-Vibratoren und plant noch ganz andere Sexspielzeuge, für deren Konfigurierung Big Data ins Spiel kommen. Mitgründerin und „Chief Pleasure Officer“ Stephanie Alys spach bei der Digitalkonferenz Slush über das Geschäft mit der Lust und wie anwendergesteuertes Design gerade hier Sinn macht.

 

 

Ist das Kunst oder ist das gefährlich?

Im Haus für Fotografie, dem C/O Berlin, trafen Heiko Maas, Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, Sophie Mützel, Soziologin mit Schwerpunkt „Medien & Netzwerke“, und der Künstler James Bridle auf einander. Im Rahmen der Reihe Watched! zum Thema Surveillance Art & Photography diskutierten sie darüber, wie sich die unterschiedlichen Überwachungsformen auf die Gesellschaft und auf das Leben des Einzelnen auswirken. Mit genau dieser Frage beschäftigen sich derzeit nämlich nicht nur Politiker, sondern auch Künstler und Medientheoretiker. In dem spannenden Gespräch wird klar, wie Kunst die moderne Überwachungsgesellschaft und Big Data von einer ganz neuen Seite beleuchtet.

 

 

Big Data aus der Sicht einer Rechtswissenschaftlers

Anhand von Big Data kann menschliches Verhalten nicht nur in großem Stil dokumentiert werden sondern auch vorhergesagt und möglicherweise manipuliert. Genau das macht sie zu solch einer großen Herausforderung für die Gesellschaft. Viktor Mayer-Schönberger, Rechtswissenschaftler und Professor für Internet Governance und Regulation an der University of Oxford, blickt kritisch auf Big Data. Bei seiner Vortrag im Rahmen der Mosse Lectures an der Humboldt Universität zu Berlin zeigt er an zahlreichen realen Beispielen aus der Politik, wie die personenbezogenen Daten eingesetzt werden können.

 

 

Wie viel soll mein Arbeitgeber über mich wissen?

Nicht nur unser Verhalten im Privatleben, sondern auch unser Verhalten am Arbeitsplatz kann inzwischen in vielerlei Hinsicht überwacht werden. Aber wie weit dürfen Erfassungssysteme gehen? Und sollen personelle Entscheidungen von Algorithmen getroffen werden? Strategieberater Johannes Kleske, Andrea Kocsis, stellvertretende Vorsitzende von ver.di und Datenexperte Andreas Dewes reden bei der re:publica 2016 darüber, wie Big Data im Arbeitsumfeld eingesetzt werden können und wo die Grenzen liegen sollten.

 

Connected Cars, Smart Cities und das Ende der Staus

Big Data werden schon jetzt zum Beispiel im Navigationsbereich eingesetzt. Doch hier kann noch viel mehr passieren. Dank der richtigen Datenanalyse können Staus  minutengenau vorhergesagt und demnächst vielleicht ganz verhindert werden. Daran arbeitet die Firma INRIX, die große Datenmengen sammelt und sie nutzt, um Stadtplanung und Verkehrsmanagement zu optimieren. Dr. Holger Hochgürtel gibt in seinem Impulsvortrag bei der Morgenstadt-Werkstatt des Fraunhofer IAO einen interessanten Einblick in ganz reale Nutzungsszenarien.

 

 

Big Data für den guten Zweck

Große Mengen an Daten können durchaus auch für gute Zwecke eingesetzt werden. Sarah Williams will genau das erreichen. Ihr Projekt Civic Data Design Lab erforscht, wie Big Data und deren Visualisierung Politik positiv beeinflussen können. In ihrem Vortrag bei der re:publica 2016 erzählt sie von ihrer Arbeit mit gesammelten Daten aus dem Garment District in Midtown Manhattan, aus Kenia und aus den Geisterstädten in China.

 

 

Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchen

… das klingt wie ein Werbeslogan von Google oder ein Zitat aus Dave Egger’s Dystopie „The Circle“. Dass man uns ruhig überwachen kann, da wir ja nichts schlimmes tun, ist aber ein Trugschluss. Unternehmer, Entwickler und Wissenschaftler Andreas Dewes zeigt anhand von echten Datensätzen, wie leicht es ist, intimste Dinge über die meisten Menschen herauszufinden. Er zeigt, wie leicht Big Data missbraucht werden kann und dass wir deswegen sorgsamer mit unseren Bergen an Datenmüll umgehen sollten.

 

 

Wie geht man um mit der dunklen Seite der Macht?

All diese Vorträge und Diskussionen zeigen: Big Data ist ein Thema mit zwei Seiten. Den enormen Möglichkeiten stehen echte Risiken gegenüber. Auch wenn Trump sicherlich nicht allein wegen Big Data die US-Wahl gewonnen hat, das Potenzial um Massen von Menschen zu beeinflussen haben die großen Datenmengen definitiv. Wie Forscher und Unternehmen mit diesem zweischneidigen Schwert umgehen, analysiert Yasmina Banaszczuk. Denn eines ist klar: Ignorieren kann Big Data im Jahr 2016 keiner.

 

Foto: luckey_sun via flickr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.